Kontakt

Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß und Kinderchirurgie

Universitätsklinikum Würzburg

Zentrum für operative Medizin (ZOM)

Oberdürrbacher Straße 6

97080 Würzburg

 

Achalasie-Zentrum Würzburg

Leiter und Ansprechpartner:

Prof. Dr. Burkhard H. A. von Rahden

Tel.: 0931-201-31045

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Terminvergabe:

Zentrales Patientenmanagement (ZPM):

Tel.: 0931-201-39999

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Messung des Therapieerfolges bei der Achalasie-Operation: Das Endo-Flip-Verfahren

 
Ein neues Verfahren zur intraoperativen Messung des Ergebnisses der Operation bei der Achalasie ist die Endo-Flip-Methode. In Deutschland war die Universität Würzburg die erste (und auch bislang einzige Insitution, Stand Januar 2015) die das Endo-Flip-Verfahren routinemäßig bei der POEM Operation anwendet.

EndoFlipvonRahden

Das Foto zeigt Priv.-Doz. Dr. von Rahden (Leiter des Achalasie-Zentrum, links) und Dr. Jörg Filser (rechts) zusammen mit dem Vertreter der Endo-Flip vertreibenden Firma (Crospon) und der Endo-Flip-Maschine.

Endo-Flip ermöglicht die intraoperative Messung der adäquaten Myotomie, was vor allem bei der POEM Methode wichtig ist. Dies funktioniert über die Messung von Form und Dehnbarkeit des Übergangs zwischen Speiseröhre und Magen. Bei der Achalasie hat dieser eine "Sanduhrform", bedingt durch die muskuläre Einengung. Nach der Therapie durch erfolgreichen adäquate Muskelspaltung wird die Enge erweitert und die Form verändert sich (siehe Abbildungen unten).

Nach aktueller Datenlage und eigenen Erfahrungen ist so sehr zuverlässig der unmittelbar postoperative Therapieerfolg (gute Schluckfunktion) zuverlässig vorhersagen (von Rahden et al., 2014, Chirurg; Teitelbaum et al., 2014, Surg Endosc). Dieses Verfahren ist überlegen, gegebüber der schwierigen rein anatomischen Orientierung.

Bislang sind wir an der Universität Würzburg die erste und bislang weiter einzige Institution in Deutschland, die Endo-Flip zur Erfolgskontrolle bei POEM routinemäßig einsetzt (Stand: Januar 2015).

 

EndoFlipPraeMyotomie

Endo-Flip VOR Beginn der Myotomie

 

EndoFlipPostMyotomie

Endo-Flip NACH Myotomie


VIDEO: Die Erfolgskontrolle der POEM Operation mit Endo-Flip




Video zur von Rahden BH, Filser J, Seyfried F, Veldhoen S, Reimer S, Germer CT (2014) Diagnostik und Therapie der Achalasie / [Diagnostics and therapy of achalasia]. Chirurg. 2014 Dec;85(12):1055-63. doi: 10.1007/s00104-014-2803-1.

Ngamruengphong S, von Rahden BH, Filser J, Tyberg A, Desai A, Sharaiha RZ, Lambroza A, Kumbhari V, El Zein M, Abdelgelil A, Besharati S, Clarke JO, Stein EM, Kalloo AN, Kahaleh M, Khashab MA. Intraoperative measurement of esophagogastric junction cross-sectional area by impedance planimetry correlates with clinical outcomes of peroral endoscopic myotomy for achalasia: a multicenter study. Surg Endosc. 2015 Oct 20. [Epub ahead of print]

Teitelbaum EN, Soper NJ, Pandolfino JE, Kahrilas PJ, Hirano I, Boris L, Nicodème F, Lin Z, Hungness ES (2014) Esophagogastric junction distensibility measurements during Heller myotomy and POEM for achalasia predict postoperative symptomatic outcomes. Surg Endosc. 2014 Jul 24. [Epub ahead of print

 

Übersicht zu den verschiedenen Therapieverfahren bei der Achalasie

Die Therapiemöglichkeiten der Achalasie sind heute als sehr gut zu bezeichnen. Bei den meisten Patienten läßt sich eine gute Schluckfunktion erzielen, mit wenig Reflux als Nebenwirkung und (mit dem neuen POEM-Verfahren) sogar guter Behandlung des Symptoms Brustschmerzen. Allerdings zeigen die verschiedenen zur Verfügung stehenden Therapieverfahren unterschiedliche Effektivität hinsichtlich der drei Haupt-Therapieziele.

 

Medikamentöse Therapie

Eine funktionierende medikamentöse Therapie für die Achalasie gibt es nicht. Allerdings können muskelerschlaffende Medikamente zur Behandlung von begleitenden Speiseröhrenkrämpfen zur Anwendung kommen.

Botoxinjektion (BTx)

Auch die endoskopische Injektion von Botuliunumtoxin ist ebenfalls keine gute Therapieoptin zur Behandlung der Achalasie, da ihr Therapieeffekt nur vorübergehend ist. Allerdings kann sie bei diagnostischen Zweifelsfällen als diagnostische Maßnahme verwendet werden, um einen zusätzlichen Hinweis auf das Funktionieren der Myotomie zu gewinnen.

Ballondehnung/ Pneumatische Dilatation (PD)

Die Ballondehnung oder pneumatische Dilatation kann zur Behandlung verwendet werden, ist aber hinsichtlich ihrer Effektivität deutlich den Myotomie-Verfahren unterlegen. Bei operabelen Patienten empfehlen wir diese Therapiemaßnahme heute nur noch sehr selten.

Heller Myotomie

Die von Ernst Heller im Jahre 1913 vorgeschlagene und erstmals publizierte Muskelspaltung (Myotomie) am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen ist auch heute noch das effektivste Therapieprinzip, welches aktuell als Standard empfohlen wird. Die Myotomie nach Heller kann auf verschiedenen Wegen bewerkstelligt werden. Früher führte man Sie einen Schnitt am Bauch (Laparotomie) oder Brustkorb (Thorakotomie) aus.

Laparoskopische Heller Myotomie (LHM)

In der Ära der minimal-invasiven Chirurgie/ Schlüssellochchirurgie, hat sich die Heller Myotomie auf dem Wege der Laparoskopie (Bauchspielung) durchgesetzt. Einer der entscheidenden Vorteile ist die Kombinierbarkeit mit einer Antirefluxoperation (Fundoplikatio)

Perorale endoskopische Myotomie (POEM)

Eine neueste Entwicklung ist die Durchführbarkeit der Heller Myotomie auf rein endoskopischem Wege, die perorale endoskopische Myotomie. Dieses Verfahren ist noch nicht schlußendlich wissenschaftlich bewertet, aber liefert nach aktueller Datenlage und eigenen Erfahrungen sehr gute Ergebnisse. Auch sind einige theoretische und praktische Vorteile der POEM Prozedur bereits jetzt zu erkennen.

Ösophagusresektion

Die Entfernung eines Teils der Speiseröhre ist erfreulicherweise heute bei der Achalasie nur noch extrem selten erforderlich, da fast immer auch bei weit fortgeschrittener Achalasie mit der Heller Myotomie noch sehr gute Ergebnisse zu erzielen sind.

Ergebnisse nach laparoskopischer Heller Myotomie (LHM)

Die laparoskopische Heller Myotomie (LHM), kombiniert mit der Fundoplicatio nach Dor, ist gut als Standardverfahren zur Therapie der Achalasie etabliert.  Die wissenschaftliche Basis hierfür bietet eine große systematische Übersichtsarbeit und "Meta-Analyse" der verfügbaren Daten von Campos et al. (2009). Meta-Analyse bedeutet, dass alle Daten der eingeschlossenen Patienten in einer Gesamtdatenbank als Gesamtkollektiv analysiert worden sind. Hier wurde gezeigt daß die LHM klar den endoskopischen Therapieverfahren überlegen ist mit einer Therapieefolgsrate von 91% gegenüber 69% mit der Ballondilatation und 40% mit der Botoxinjektiondie laparoskopische Route den transthorakalen Operationswegen (durch den Brustkorb) überlegen istdie minimal-invasive Operation der offenen Operation überlegen istdie LHM mit einer Antirefluxoperation kombiniert werden sollte

 

Literatur

Campos et al. (2009) Endoscopic and surgical treatments for achalasia: a systematic review and meta-analysis. Ann Surg. 2009;249:45-57

Das POEM-Verfahren ist eine komplexe Operation, die einiger Übung und Erfahrung bedarf. Bei uns am Achalasie-Zentrum Würzburg wurde die Etablierung von POEM in der klinischen Praxis in mehreren Schritten durchgeführt.

 

Zunächst erlernten wir das Verfahren bei einem dreiwöchigen Aufenthalt in Japan bei Professor Haruhiro Inoue in Yokohama. Weiter wurden dann alle Einzelschritte der Prozedur in einem Modell im Zentrum für Experimentelle Medizin in Würzburg (ZEMM) geübt.

 

Schließlich wurde dann Professor Inoue persönlich aus Japan nach Würzburg eingeladen um bei der Einführung von POEM zu helfen. Wir operierten eine Serie von 5 Patienten gemeinsam. Pressemitteilungen zur Einführung von POEM in Würzburg finden sie HIER.

Gemeinsame Etablierung des POEM-Verfahrens in Würzburg im März 2013: Frau Dr. Hitomi Minami (Nagasaki), Priv.-Doz. Dr. Burkhard H. A. von Rahden (Leiter des Achalasie-Zentrum Würzburg), Prof. Dr. Christoph-Thomas Germer (Direktor der chirurgischen Klinik), Prof. Dr. Haruhiro Inoue (POEM Pionier aus Yokohama), Prof. Dr. Christian Reiners (Ärztlicher Direktor)

 

 

Weitere Berichte bei:

Pressestelle Uni Würzburg

der-klinikführer

Deutsches Wissenschafts und Innovationshaus Tokyo

Gesundheit & Wellness

 

Internationales POEM Team Training bei Prof. Inoue/ Showa-Universität in Yokohama/ Japan

Das Bild (ein Screenshot von der Homepage der  Showa-Universität Yokohama) zeigt Professor Haruhiro Inoue (rechts), den Pionier des POEM Verfahrens, gemeinsam mit Professor Kudo (zweiter von links) und Priv.-Doz. Dr. Burkhard H. A. von Rahden, Leiter des Würzburger Achalasie-Zentrums (vierter von links) als Zeichen der etablierten guten internationalen Kooperation.

Link zur Showa-Universität Yokohama

Mit der Peroralen Endoskopie sind aktuell weltweit über 1500 Patienten behandelt worden. Berichtet wird über durchweg sehr gute Ergebnisse hinsichtlich der drei Haupt-Therapieziele.

Gute Dysphagiekontrolle

  • Die Dysphagiekontrolle nach POEM (Aufhebung der Schluckstörung) ist sehr gut. In der Literatur und der eigenen Erfahrung werden Ansprechraten von 90 bis 100% berichtet.

Wenig Reflux

  • Die exakte Häufigkeit von Reflux (Rückfluss von saurem Mageninhalt aus dem Magen in die Speiseröhre) ist noch kontrovers. Subjektive Refluxsymptome sind in der eigenen Erfahrung und nach Literaturangaben eher selten.
  • Etwas häufiger ist eine endoskopisch nachweisbare reflux-bedingte Speiseröhrenentzündung.
  • Mit einer Messung objektivierbarer Reflux scheint in 30 bis 50% vorzuliegen. Allerdings scheint dies im Vergleich gleich häufig zu sein, wie bei der mit einer Antirefluxoperation kombinierten LHM.

Gute Behandlung von Brustschmerzen

  • Hier scheint ein eindeutiger Vorteil des POEM-Verfahrens zu liegen, dass durch die hiermit mögliche längerstreckigere Myotomie eine bessere Mitbehandlung des Symptoms Brustschmerzen erzielt wird

 

Die folgende Tabelle listet einige der in der Literatur berichteten Behandlungsergebnisse mit POEM auf. Einige der zitierten Arbeiten finden Sie auch in unserer Literaturdatenbank unter "POEM Literatur".

 

 

 

 

 

 

Aktuell (Stand Januar 2014) sind von uns an der Universitätsklinik in Würzburg 50 POEM Operationen durchgeführt worden. Die Ergebnisse sind weiter sehr ermutigend hinsichtlich Wiederherstellung der Schluckfunktion, Besserung der Brustschmerzen und einer niedrigen Refluxrate, auch als Wiederholungsoperation, bei Versagen der Ersttherapie. Die Ergebnisse bei 42 Fällen wurden kürzlich in der Fachzeitschrift "DER CHIRURG" publiziert (von Rahden et al., 2014, Chirurg).