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Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß und Kinderchirurgie

Universitätsklinikum Würzburg

Zentrum für operative Medizin (ZOM)

Oberdürrbacher Straße 6

97080 Würzburg

 

Achalasie-Zentrum Würzburg

Leiter und Ansprechpartner:

Prof. Dr. Burkhard H. A. von Rahden

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Terminvergabe:

Zentrales Patientenmanagement (ZPM):

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(Leeuwenburgh et al., 2013, Digestive Diseases and Sciences)

Sowohl der sogenannte Barrett-Ösophagus, als auch das Adenokarzinom der Speiseröhres sind bei Achalasie-Patienten nach pneumatischer Dilatation erhöht

Leeuwenburgh und Kollegen aus Rotterdam haben jetzt erneut Daten zur Entstehung von Speiseröhrenkrebs bei Achalasie-Patienten nach Therapie mit pneumatischer Dilatation veröffentlicht. In der Achalasie-Patienten-Kohorte ihrer Institution (n=331 Patienten) haben Sie nach der Entwicklung eines Barrett-Ösophagus (mögliche Krebsvorstufe) und eines (sich hieraus potentiell entwickelnden) Adenokarzinoms geschaut. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 8,9 Jahre. Im Rahmen der Nachbeobachtung wurden Manometrien, Breischluckuntersuchungen und Speiseröhren-/ Magenspiegelungen durchgeführt.

Ergebnisse:

Bei 28 Patienten (8,4%) wurde ein Barrett-Ösophagus diagnostiziert. Bei nur einem dieser Patienten war dieser Barrett-Ösophagus bereits früher diagnostiziert worden. Die Autoren kalkulieren eine jährliche Inzidenz (Neuauftreten) eines Barrett-Ösophagus von 1%.

Eine Hiatushernie (Zwerchfellbruch mit "Hochrutschen" des Übergangs zwischen Speiseröhre und Magen, wie er häufig bei Patienten mit Refluxkrankheit vorliegt) wurde bei 74 Patienten (22,4%) gesehen.

  • In der Gruppe dieser 74 Patienten mit Hiatushernie lag bei 21 Patienten ein Barrett-Ösophagus (28,4%) vor. In der Gruppe der 257 Patienten ohne Hiatushernie lag bei 7 Patienten ein Barrett-Ösophagus vor (2,7%).
  • Hieraus kalkulierte sich ein statistisches Risiko von 8 für die Entwickelung eines Barrett-Ösophagus, wenn eine Hiatushernie vorlag.

Zwei Patienten des Gesamtkollektivs (0,6%) entwickelten während der Nachbeobachtungszeit ein Adenokarzinom der Speiseröhre.

Kritische Diskussion: Was ist hieraus abzuleiten?

Diese Daten unterstützen die Empfehlungen zur Kontrollendoskopie bei Achalasie-Patienten im Hinblick auf das Erkennen einer möglichen Ausbildung von Krebsvorstufen (Vorsorgeendoskopie zur Krebserkennung). Trotzdem sollten (Laien und Ärzte) den Barrett-Ösophagus nicht in seiner Bedeutung überschätzen. Zwar nimmt man an, dass der Barrett-Ösophagus Krebsvorstufe des Adenokarzinoms der Speiseröhre ist. Trotzdem ist das Risiko an Speiseröhrenkrebs zu erkranken - wie auch diese Daten mit relativ langer Nachbeobachtungszeit zeigen - auch beim Patienten mit Achalasie relativ gering. Man spricht auch von einer fakultativen Präkanzerose (mögliche Krebsvorstufe) um zum Ausdruck zu bringen, dass der Zusammenhang mit dem Krebs kein starker ist.

Ein weiterer Hinweis muß sich auf das hier gewählte Therapieverfahren beziehen: Alle Patienten waren mit Ballondilatation behandelt worden. Die Daten sagen somit nichts darüber aus, wie die Inzidenz von Barrett-Ösophagus und Adenokarzinom der Speiseröhre nach laparoskopischer Heller Myotomie, kombiniert mit einer Antirefluxoperation, ist. Es wäre immerhin möglich, dass hierunter eine andere (möglicherweise geringere) Inzidenz zu beobachten wäre. Andere Daten zur Entstehung von Adenokarzinomen bei Achalasiepatienten haben nämlich KEINE Hinweise auf einen Zusammenhang mit der durchgeführten Therapie gezeigt (Zendehdel et al., 2011, American Journal of Gastroenterology).

Literaturstelle

Leeuwenburgh I, Scholten P, Caljé TJ, Vaessen RJ, Tilanus HW, Hansen BE, Kuipers EJ (2013) Barrett's esophagus and esophageal adenocarcinoma are common after treatment for achalasia. Dig Dis Sci 58: 244-252.

Zendehdel K, Nyrén O, Edberg A, Ye W (2011) Risk of esophageal adenocarcinoma in achalasia patients, a retrospective cohort study. Am J Gastroenterol. 106:57-61.